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Auf Schimis Spuren

1981 wurde im Duisburger Stadtteil Ruhrort Heinz Petschek tot aufgefunden und das neue Kommissarsduo Horst Schimanski und Christian Thanner nahmen wegen Heinzens Leiche ihre erste Ermittlung für die Reihe TATORT auf.

Die beiden drückten der Krimireihe für einige Jahre ihren Stempel auf. Das, was sie ablieferten, hob sich deutlich von den anderen TATORT-Kommissaren, wie auch generell von anderen Fernsehserien ab (für die jüngeren Leser: es gab noch kein netflix!) - immer etwas schmuddelig, kodderig, schlampig, Prügeleien auf Kneipenniveau, mitunter coole Sprüche, aber das Herz immer auf dem rechten Fleck für Mensch und Region und die Qualität von Schimis Parker wird auch heute noch von keiner Klamotte erreicht. Als Jugendlicher in den 80ern kamst du an Schimi nicht vorbei, wollte man meist auch nicht, zumindest was mich betraf. Und immerhin hat er es bis zur Horst-Schimanski-Gasse im Hafengebiet in Ruhrort gebracht.

In den letzten vierzehn Tagen habe ich zweimal für einige Stunden in Ruhrort fotografiert. Man kann den Kernbereich gut zu Fuß erlaufen. Das Viertel ist durch Straßenzüge mit Mehrfamilenhäusern geprägt. Gut sanierte, häufig unter Denkmalschutz stehende Objekte mit klassischen Fassaden (Ruhrort war auf Grund seiner Schifffahrts-Historie mal ein richtig wohlhabendes Fleckchen, Haniel ist immer noch dort) wechseln sich ab mit einer (noch?) herunter-gekommenen Bebauung und leerstehenden Ladenflächen. Dann wieder tauchen liebevoll gestaltete Lädchen wie beispielsweise dem Aland Barber Shop auf der Harmoniestraße auf, die Flair ins Viertel bringen. Durch das gesamte Straßenbild schlängelt sich die Linie 901.

Ruhrort ist gemütlich und das wirkte sich auch auf meine Fototour aus. Ich hatte das Glück, zwei sehr sonnige Wintertage zu erwischen und stellte schnell fest: Ruhort ist was für Lichtjäger. Durch die überwiegend hohe Bebauung hast du in den Straßenzügen intensive Licht-Schatten-Kontraste, mit denen man herrlich experimentieren kann. Große Menschenmengen triffst du hier eher nicht an, du fällst als Fotograf schon auf, ist halt alles überschaubar im Viertel. Nicht selten wirst du angesprochen, aber wie ich früher schon mal schrieb, das Quatschen auf der Straße ist genauso bereichernd, wie Bilder zu knipsen.

Wie gesagt, ich kenne das verregnete und trübe Ruhrort bisher nicht - bei Sonne bietet der Stadtteil jedoch eine Vielzahl von Möglichkeiten für nahezu alle Arten der Straßenfotografie. Insofern kann ich Ruhrort für die ZEN-orientierte Form der Straßenfotografie wärmstens empfehlen, insbesondere wenn das Wetter mitspielt.

Ach ja, ein Tipp zum Schluss: Falls ihr Hunger bekommt, lege ich euch das Lokal "Zum Anker" in der König-Friedrich-Wilhelm-Straße am Neumarkt ans Herz. Hier findet ihr einen ausgezeichneten Mittagstisch für kleines Geld sowie ein umfangreiches Eis-, Waffel- und Kaffeeangebot in uriger Atmosphäre. Solltet ihr mehr auf Kuchen stehen, dann huscht ins "Cafe Kurz" in der Fabrikstraße.

 

Beste Grüße,

Ralf

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