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Spontan. Emotional. Ehrlich.

Heute habe ich ein Interview mit der ZEIT-Fotografin Roswitha Hecke gelesen. Hierin beleuchtet sie wesentliche Stationen ihres fotografischen Schaffens, welches insbesondere durch lebensnahe Bildreportagen geprägt war.

Fast interessanter als das Interview selbst fand ich das Intro hierzu: "Was die ZEIT-Fotografin in den Anfängen ihrer Karriere erlebte, zeigt, wie das Bildermachen damals war: spontan, emotional, ehrlich."

 

Nach dem Lesen wäre ich fast in eine Falle getappt - warum war das Bildermachen nur damals spontan, emotional und ehrlich? Falscher Ansatz, letztlich ist das Statement erst mal nichts anderes als eine Bestandsaufnahme für die Zeit, zu der Roswitha Hecke ihre fotografische Karriere begann.

 

Straßenfotografie, wie sie mir gefällt, vereint idealer Weise regelmäßig alle drei Attribute. Für mich sind sie essentielle Bestandteile eines guten Bildes und ich glaube, dass sich hieraus auch mein persönlicher Stil ableitet, vornehmlich eine Art dokumentarische Straßenfotografie. Die eigentliche Szene steht im Vordergrund, die gilt es, unverfälscht und ohne Umwege einzufangen, also im Idealfall "spontan, emotional und ehrlich". Referenzen für mich sind hier insbesondere Anders Petersen und Boogie, die Beschäftigung mit ihren Arbeiten ist eine wahre Bereicherung.

 

Vielleicht ist gerade die Straßenfotografie das Genre (ist es eigentlich ein eigenständiges Genre?), in welchem diese Attribute von jedermann am ehesten gelebt werden können, wenn man sich vom Ballast überzogener Menschenscheu (nicht falsch verstehen: Respekt geht vor!), Technikfixiertheit und vom aktuellen Mainstream befreit hat? Jeder Aspekt bietet Stoff für eigenständige Essays.

 

Mit diesem dokumentarischen Ansatz streife ich stundenlang durch die Städte, immer auf der Suche nach interessanten Szenen. Ganz wichtig dabei: leichtes Gepäck! Killer jedes spontanen Fotografierens sind inflationäre Technik und Gewicht. Achtzig Prozent meiner Bilder auf der Straße entstehen mit einer spiegellosen Kompaktkamera mit festgeschraubten 35mm-Objektiv, meiner Lieblingsbrennweite. Die Blende wähle ich vor, gegebenenfalls eine leichte Korrektur der Belichtung über das zuständige Rädchen, den Rest lasse ich die Kamera machen (schließlich wurde sie dafür entwickelt und war teuer genug). Und ja, in den allermeisten Fällen benutze ich Autofokus, bisher habe ich nichts entscheidendes verpasst.

 

Mit diesen spartanischen Voreinstellungen kann ich mich voll auf das Geschehen konzentrieren und die Kamera ihren Job machen lassen, was deutlich zur Stressreduzierung beiträgt. Keep it simple, es bedarf keines schlechten Gewissens, nicht alle vom Hersteller vorgesehenen Kamerafunktionen zu beherrschen. Letztlich geht's um die Bilder, spontan, emotional und ehrlich eben.

 

Interessanter Weise ist mir das Licht in meiner Straßenfotografie oft eher unwichtig, solange der Inhalt stimmt; entweder es ist in erlesener Qualität vorhanden, oder eben nicht - so what? O.K., ab und an überkommt's mich und ich suche aktiv nach Licht und Schatten, immer dann, wenn ich mal wieder Spaß an etwas abstrakteren Bildern habe.

 

Hier noch eine handvoll Bilder von meinem letzten Streifzug durch Duisburg Mitte, habe dabei "alte Bekannte" wieder getroffen...

 

Und hier sind sie, meine "alten Bekannten", ein Jahr später, fast auf den Tag genau:

Duisburg, Februar 2018
Duisburg, Februar 2018
Duisburg, Januar 2017
Duisburg, Januar 2017

 

Beste Grüße,

Ralf

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